Büchertipp und der Verein Cara

Ruth Mauz und der Verein CARA

Rituelle Gewalt öffentlich machen

An der Vernissage des Buches «Das Schweigen brechen» gaben Fachleute Einblick in ihr Wissen. Die Beiträge von Betroffenen berührten.

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Pfarrerin Ruth Mauz: «Rituelle Gewalt gibt es auch in der Schweiz.»Rituelle Gewalt soll nicht länger ein Tabu sein. Dafür setzt sich die Theologin Ruth Mauz ein. Die Präsidentin des Vereins CARA (care about ritual abuse) gratulierte den 250 Teilnehmenden der Vernissage zum Mut, sich dem erschütternden Thema zu stellen. Noch mehr Mut brauchten vermutlich die fünf Überlebenden von rituellem Missbrauch, deren Beiträge die Anwesenden besonders berührten. «Diese Dinge finden statt, auch in der Schweiz», so Mauz. Damit meinte sie, dass Menschen – auch Kinder – nachts entführt, gequält, vergewaltigt und zu Straftaten gezwungen werden.

«Menschliche Abgründe»

Der Psychiater Werner Tschan hielt fest, dass Fachleute oft nichts davon wissen. «Wir müssen durch Zuhören dazulernen», forderte er auf. «Menschliche Abgründe werden nicht gerne gesehen oder gehört», stellte der Psychotherapeut und Pastor Michael Grossklaus fest. «Wir verschliessen unsere Augen nicht und geben denen eine Stimme, deren Erlebnisse nicht gehört werden wollen, aber gehört werden sollen.» Der pensionierte Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus plädiert dafür, dass Mitarbeitende in Institutionen und Berufsfeldern, die mit ritueller Gewalt in Kontakt kommen können, aufmerksam sind und sich miteinander vernetzen. Das Leben der Opfer werde für Jahre und Jahrzehnte zerstört. Deshalb betreut die Journalistin Claudia Fischer seit 17 Jahren das Info­portal «Rituelle Gewalt» und thematisiert der Politologe und Berner Grossrat Samuel Kullmann das Thema Menschenhandel in politischen Gremien. «Ich muss da etwas machen und ich kann auch», sagte Kullmann.

Betroffene erzählen

Mut brauchten vier Frauen und ein Mann, welche die unvorstellbaren Qualen psychischer und sexueller Gewalt überlebt haben, denen sie von klein auf ausgeliefert waren. Sie gaben in kurzen Statements Einblick in ihr Erleben und forderten dazu auf, es zu glauben, wenn andere Betroffene davon erzählten. Nur dann könne Heilung geschehen. Oft sei die Reaktion auf ihre Berichte: «Das kann doch nicht wahr sein!» Doch eine Frau stellte klar: «Wir sind keine Psychos oder Lügner.»

«Wer redet, zahlt einen hohen Preis»

Eine andere Frau erzählte, dass sie wegen Suizidversuchen von einer psychiatrischen Klinik in die andere eingewiesen wurde. Doch erst als sie seelsorgerliche Hilfe bekommen hatte, begann ihre Heilung: «Heute kann ich wieder leben, nicht nur überleben». Der Mann sagte: «Darüber zu reden heisst, sich zu outen.» Betroffenen würde dies strikt verboten. Wer trotzdem rede, zahle einen hohen Preis, erklärte die dritte Frau. Aber mit Hilfe von aussen sei es möglich, den Weg der Heilung zu gehen. Pfarrer Paul Veraguth hielt fest: «Diese Menschen kennen die Macht der Finsternis und die Macht Gottes. Deshalb lohnt sich jede Investition in sie!» 

Das Buch «Das Schweigen brechen. Rituelle Gewalt mitten in unserer Gesellschaft» von Ruth Mauz ist beim Verein CARA erhältlich.

Zur Webseite:
Verein Cara – Buchprojekt

Zum Thema: 
Aus dem Strudel der Gewalt: Jesus verändert die Herzen von Bandenmitgliedern
Von Gewalt geprägt: Austin French: «Ich werde nie Christ werden!»
Schulung bei Rahab Olten: «Prostitution ist Gewalt an Frauen»

Mitten in unserer Gesellschaft soll es kriminelle Gruppierungen geben, die Kinder missbrauchen, sadistisch foltern und in Ritualen sogar töten. Ein Hirngespinst von Verschwörungstheoretikern und religiösen Phantasten? Mitnichten!

Der Band «Das Schweigen brechen – Rituelle Gewalt mitten unter uns» gibt zahlreichen Betroffenen aus der Schweiz und Deutschland eine Stimme. Sie sollen endlich angehört und ernst genommen werden. Ihre fast unerträglichen Lebensberichte erhalten zusätzliches Gewicht durch die Beiträge von Fachleuten aus Psychiatrie, Polizei, Politik, Medien und Kirche. Wer dieses Buch liest, wird verstehen: Rituelle Gewalt ist alles andere als ein Mythos. Sie ist traurige Realität.

Manfred Paulus, Kriminalhauptkommissar a.D.,Ulm
Hauptreferent an diesem Abend und Mitautor des Buches ist Manfred Paulus, Kriminalhauptkommissar a.D., Deutschland. Er gilt in der EU als ein Spezialist gegen Frauen- und Kinderhandel, ist Buchautor und unermüdlich unterwegs, um Politik und Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren.

Dr. med. Werner Tschan, BSGP Institut für Psychotraumatologie, Basel
Ein weiterer Redner und Mitautor ist Dr. med. Werner Tschan, Facharzt für Psychiatrie. Er weiss durch seine PatientInnen von der Existenz dieser Parallelwelt, die totgeschwiegen oder kurzerhand in Abrede gestellt wird.

Zahlreiche als Kind traumatisierte Überlebende werden mit Drohungen zum Schweigen gebracht – nach den Ursachen ihrer seelischen Verletzungen und Persönlichkeitsspaltungen (Dissoziation) fragen nur Wenige.

Ruth Mauz im Gespräch mit Betroffenen
Ruth Mauz, Präsidentin des Vereins CARA und Herausgeberin des Buches, lädt an der Vernissage vom Freitag, 26. Oktober 2018, zur Vielstimmigkeit ein. Die Gastgeberin selbst wird mit verschiedenen Opfern Ritueller Gewalt Interviews führen.

https://www.verstandenwerden.de/2018/11/08/schweigenbrechen/

Ruth Mauz: Der Verein CARA ist Stimme für Betroffene Ritueller Gewalt und versucht in der Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren. Was erscheint Ihnen für unser Vorgehen besonders wichtig?

Claudia Fischer: Ich würde mich freuen, wenn Sie sehr klug, vorsichtig und vor allem faktenbasiert vorgehen. Wir brauchen sehr verlässliche Erkenntnisse, wir brauchen Zahlen, wir brauchen endlich Forschungen zu Thema und wir brauchen Fälle und Gerichtsurteile, die nachweisen, dass das Thema ernst genommen werden muss.

Sexualisierte Gewalt wird „erst“ seit den 1970er/80er Jahren geglaubt. Ich habe in der Schule noch gelernt, ich soll nicht mit Männern mitgehen, die mir Bonbons schenken. In den 1990ern kamen die Forschungsergebnisse, dass die Täter.innen meistens aus dem direkten Umfeld der Kinder kommen. Seit 2010 (Odenwaldschule) wissen wir, dass es sexualisierte Gewalt gezielt in Institutionen wie Internaten etc. gibt. Im Moment lesen wir fast täglich über Internetkriminalität mit Kindern und haben die spektakulären Einzelfälle wie die 13 Kinder aus Perris oder den 9jährigen aus dem Breisgau in den Schlagzeilen.

Das heißt: Wir brauchen Geduld! Rituelle Gewalt wird auch langsam ins gesellschaftliche Bewusstsein einsickern, aber dazu braucht es noch viel sachliche Überzeugungsarbeit.

CARA sollte fundiert recherchieren, langsam und konzentriert vorgehen und die eigene Basis immer wieder sichern. Sorgen Sie gut für sich und die Menschen, mit denen Sie zusammen arbeiten, denn Sie alle brauchen einen langen Atem.“

2 Kommentare zu „Büchertipp und der Verein Cara

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